Warum – ├╝berhaupt?

Die Zahl älterer Menschen nimmt stetig zu. Die klassischen Wohnformen im Alter passen häufig nicht mehr.
So ist es verständlich, dass es mittlerweile viele Wohnprojekte für alte Menschen gibt.
Diese Angebote richten sich aber in aller Regel an gut abgesicherte, wohlhabende Rentner.

Für die immer größer werdende Menge der in Altersarmut lebenden Menschen gibt es bisher (meines Wissens) keine Angebote.
 

 
Unsere Leistungs- und Konsumgesellschaft hat ihren Zenit überschritten.

Nach Jahren des permanenten Wirtschaftswachstums werden die Krisen häufiger und weitreichender.

Immer mehr Menschen werden trotz eines arbeitsreichen Lebens im Alter zum Sozialfall

    finanziell, weil die Renten nicht mehr zum Leben reichen
    gesellschaftlich, weil in der Leistungsgesellschaft immer weniger Platz ist für Alte, Kranke und nicht mehr voll Leistungsfähige.


In den Großstädten vereinsamen die Alten in der Masse der miteinander konkurrierenden jungen Leistungsträger.
Auf dem Land dagegen schwindet die Bevölkerung immer mehr. Zurück bleiben die Alten und Kranken – meistens jedoch bei gleichzeitigem Verlust der sozialen Strukturen.
Gaststätten und Kaufläden schließen, Ärzte und Apotheken werden immer weniger. Die Lebensqualität sinkt, was die Landflucht weiter beschleunigt.

Altenheime, oder „Senioren-Residenzen“ wie sie heute so schön genannt werden, bieten nur selten eine lebenswerte Antwort auf die Herausforderungen des Alterns.
Und bei den meisten der mittlerweile reichlich entstehenden alternativen Lebensformen im Alter ist ein nicht unerhebliches Einkommen bzw. Vermögen Voraussetzung.
Doch gibt es nicht einen Weg, die Probleme der Armut im Alter und des alt Werdens neu zu betrachten im Zusammenhang mit den Problemen der Landflucht?
Wo keine Nachfrage mehr besteht, sind die Preise niedrig. In vielen Landstrichen stehen mittlerweile etliche Immobilien auch in Form von Gaststätten leer, sind Mieten oder Kaufpreise im Keller.

Gaststätten als Ort von Seniorenklöstern?!

Nicht Geld macht glücklich, sondern soziale Kontakte. Gaststätten sind dabei von jeher Kern- und Keimpunkte sozialen Lebens in Dörfern und Gemeinden gewesen.
Hier trifft man sich, diskutiert, feiert, heiratet … tauscht Nachrichten aus und plant zukünftiges.

Und dort, wo sich eine Gaststätte unter „normalen“ Gesichtspunkten nicht mehr wirtschaftlich betreiben lässt, könnte der Zusammenschluss von Menschen, die aufgrund ihres Alters und (wenn auch kleinen) Rente kein Geld mehr verdienen müssen, die Chance für eine Wiederbelebung der sozialen Strukturen zum einen und ein lebenswertes weil sozial integriertes Altern zum anderen sein.

Wem Arbeit zudem nicht notwendiges Übel ist, sondern erfüllendes, Sinn stiftendes Element seines Lebens, wem es nicht reicht, bei Champagner und Lachshäppchen die Zeit tot zu schlagen, der findet in der Gastronomie viele Tätigkeiten, für die man keine Ausbildung braucht und auch von nicht mehr voll leistungsfähigen, alten Menschen ausgeführt werden können. Lieber in einer Gaststätte Kartoffeln schälen, die wirklich gebraucht werden, als in der Beschäftigungstherapie Deckchen häkeln, die dann weggeschmissen werden.

Klosterleben als Vorbild?!

Auf der Suche nach stabilen Formen des Zusammenlebens und eines sinnvollen Lebens jenseits von Konsum und Leistung findet man selbst in unterschiedlichen Kulturkreisen ähnliche Kloster-Modelle.

Seit etlichen Jahrhunderten sind die Klöster stabile „Wohngruppen“ mit einem ausgeprägten „Wertekanon“. Und was der Jugend beim Klosterleben als fast nicht zu erfüllende Forderungen erscheint, wie z.B. die Besitzlosigkeit, ist im Alter mit Hinblick auf den Tod geradezu natürlich.